Asiate im antiken Rom

Unter seinen römischen Mitmenschen dürfte der Unbekannte vor 2000 Jahren aufgefallen sein wie ein Außerirdischer: Auf einem Friedhof im italienischen Vagnari wurden Knochenreste eines männlichen Toten gefunden, der laut DNA-Tests ostasiatischer Abstammung war. Die Isotopenanalyse seiner Zähne ergab zudem, dass der Fremde nicht in der Region um Vagnari aufgewachsen sein kann. Schon im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus florierte zwar der Seidenhandel zwischen China und dem Römischen Reich. Doch die bescheidenen Grabbeigaben des Toten sprechen dagegen, dass er als wohlhabender Händler nach Italien gekommen war. Wahrscheinlich hatte der Asiate sein Leben als exotischer Sklave des Kaisers gefristet.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 7/2010.

Amputation mit dem Flintsteinmesser

Steinzeitheiler haben bei ihren Patienten nicht nur Schädel aufgebohrt, sondern auch Gliedmaßen amputiert. Das zeigt das 7000 Jahre alte Skelett eines Einarmigen, das Ausgräber des französischen Instituts für Archäologie Inrap in einem Steinbruch bei Buthiers-Boulancourt, rund 70 Kilometer südlich von Paris, gefunden haben. Noch zu Lebzeiten hatte ein Steinzeitdoktor vermutlich mit einem Flintsteinmesser den Oberarmknochen des Mannes durchgesägt. Der Eingriff dürfte eine Notoperation gewesen sein, denn der Knochen war teilweise beschädigt, als der Helfer sein Instrument ansetzte. Wie sich aus Veränderungen an der Schnittstelle ablesen lässt, entzündete sich die Wunde nicht und heilte gut – der Patient, so glauben die Archäologen, hat nach der Operation noch mehrere Monate, vielleicht auch Jahre weitergelebt. Die Größe des Grabs und kostbare Beigaben beweisen, dass es sich um einen Mann von Rang gehandelt haben muss.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 6/2010.

Antiker Leinenpanzer schützt so gut wie Kevlar

Ein bisschen Flachs, Leinsamen und Stoff – fertig ist der Brustpanzer. Historiker und Archäologen haben eine Leichtrüstung aus Zeiten Alexanders des Großen rekonstruiert und Erstaunliches herausgefunden: Das vollkommen metallfreie Hemd schützt so gut wie eine moderne schusssichere Weste.

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Unverwundbar im Leinenhemd

Alexander den Großen und seine Soldaten schützte auf dem Schlachtfeld ein besonderer Leinenpanzer, der Linothorax, den Historiker von der amerikanischen University of Wisconsin – Green Bay erstmals rekonstruiert haben. Sie verwendeten dazu Flachsfasern, die wie seinerzeit in der Antike von Hand geerntet, gesponnen und gewebt wurden. Da der Linothorax offenbar aus vielen verleimten Stoffschichten bestand, testete das Team auch zwei Klebstoffe, die es aus Materialien herstellte, wie sie in der Antike zur Verfügung standen: einen aus Flachssamen und einen, der aus der Haut von Kaninchen gewonnen wurde. Anschließend traktierten sie die Rüstungen mit allem, was antike Waffenkammern zu bieten hatten. Ergebnis: Der Makedonier und seine Mannen hatten in ihren Stoffhemden kaum eine Waffe zu fürchten – das verklebte Leinen wirkte ähnlich wie Kevlar, aus dem moderne schusssichere Westen hergestellt sind. Außerdem wog der Linothorax nur etwa ein Drittel eines Metallpanzers, gab Kämpfern mehr Bewegungsfreiheit, bestand aus leicht beschaffbarem Material und konnte in Massenproduktion billig hergestellt werden. Vor Kriegszügen in regenreiche Landstriche mussten die Rüstungen nur noch mit Bienenwachs, Pinienharz oder Wollwachs imprägniert werden.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 5/2010.

Gestresste Mumien

Erschienen in Geo, Februar 2010
Früher war das Leben geruhsamer? Von wegen!
Ständiges Telefonklingeln, fallende Aktienkurse oder Ärger im Büro – diese Sorgen plagten die alten Peruaner noch nicht. Und doch litten sie in weit höherem Maß an Stress als wir heute. Das beweisen Haarproben peruanischer Mumien, die von kanadischen Anthropologen untersucht worden sind.
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Klick dich in die Steinzeit

Schweine grunzen, Häuser brennen, Menschen tragen Neolithikum-Look: So real sah Archäologie selten aus. Forscher haben eine der ersten Städte der Menschheit virtuell wiederauferstehen lassen. Jeder kann die 9000 Jahre alte Metropole Çatal Höyük bereisen – und in „Second Life“ gleich mitexperimentieren.

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Schiffsfriedhof in der Wüste

Mitten im ausgetrockneten Wüstenboden des ägyptischen Wadi Gawasis ist die amerikanische Archäologin Kathryn Bard auf eine seit Jahrtausenden unversehrte Kammer gestoßen, in der sie ganz anderes als Goldschätze oder Mumien vermutet: antike Schiffsausrüstungen. Denn in jener Gegend, wo heute Geröll und Sand die Ruinen überdecken, lag einst eine Lagune des Roten Meeres. Von dort aus brachen die Ägypter einst zu Expeditionen in das sagenumwobene Land Punt auf. Überreste der altertümlichen Hochseeschiffe wie Anker, Planken, Ruder und Seile hat die Ägyptologin von der Boston University zuvor schon in ähnlichen Wüstenkammern gefunden: „Die Taue waren ordentlich aufgewickelt und verknotet – so wie ein ägyptischer Seemann sie vor 3800 Jahren verstaut hatte“, berichtet Ward. Außerdem lagerten dort Kisten mit der Hieroglyphen-Aufschrift „Wunderdinge aus Punt“ – leider waren sie leer. Den einstigen Transport der Schiffe an das Ufer des Roten Meeres hält die US-Forscherin für eine logistische Meisterleistung. In Einzelteile zerlegt, wurden die Hochseeschiffe von den großen Docks am Nil auf Eseln durch die Wüste zum Hafen von Gawasis gebracht. Erst am Ankunftsort bauten Zimmerleute die Teile dann wieder zusammen.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 4/2010.

Traditionsbordell mit christlicher Mission

Das älteste Gewerbe der Welt hat auch im spanischen Málaga eine lange Tradition. Die Archäologin Sonia López fand jetzt bei Ausgrabungen im Rotlichtviertel der andalusischen Stadt heraus, dass die Herren des Ortes für käuflichen Sex über 500 Jahre lang die gleichen Häuser aufsuchten. Wenige Gebäude Europas haben eine ähnlich lange Geschichte. Inzwischen ist die Gegend zwischen der Calle Nosquera und der Muro de las Catalinas gesperrt, da die alten Mauern 46 neuen Häusern mit Sozialwohnungen weichen sollen. Doch bis in die jüngste Vergangenheit nutzten die Damen des horizontalen Gewerbes genau jene Räume, die ein Edelmann aus Murcia bereits Ende des 15. Jahrhunderts als Bordellhäuser errichten ließ. Der Adlige bekam den Straßenzug vom spanischen Königspaar für seine Dienste bei der Rückeroberung der Stadt von den Mauren am 19. August 1487 geschenkt – allerdings mit dem Auftrag, dort wieder christliche Sitten einzuführen. Dieses Ansinnen interpretierte der Herr etwas eigenwillig: Er ließ in sämtlichen seiner neuen Gebäude Huren einziehen. Für die erbetene Frömmigkeit sorgte der Zuhälter aus dem Mittelalter lediglich durch die Auflage, dass die Damen mindestens einmal im Jahr zur Kirche gehen mussten. Außerdem bestellte er einen Arzt, der jeden Samstag das Viertel besuchte. Damit es einigermaßen züchtig zuging, wurde in den frühen Freudenhäusern auch kein Alkohol ausgeschenkt; und nach Einbruch der Dunkelheit wurden die Gassen abgeriegelt.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 3/2010.

Vergessene Baumeister des Dschungels

Der rücksichtslose Kahlschlag am Amazonas hat mysteriöse Spuren aus der Vergangenheit freigelegt: Wissenschaftler haben auf Luftaufnahmen Hunderte Gräben entdeckt. Die geometrischen Formen auf der Erdoberfläche zeugen von einer komplexen Zivilisation, die bisher unbekannt war.

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