Bewacher aus Stein

Die Armee ist zwar klein, aber bemerkenswert: Auf Sardinien haben Archäologen und Konservatoren eine Schar lebensgroßer Steinskulpturen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus wiederauferstehen lassen. In acht Jahren mühsamer Puzzlearbeit setzten sie die in viele tausend Teile zersprungenen Krieger wieder zusammen. Nun sollen im Sommer 25 der Steinsoldaten im Archäologischen Nationalmuseum von Cagliari im Süden der Insel ausgestellt werden. In der Eisenzeit schmückten sie die Elitegräber der späten sardischen Nuraghen-Kultur, ein halbes Jahrtausend bevor ein chinesischer Kaiser auf eine ähnliche Idee mit Soldaten aus Terrakotta kam. Unter den sardischen Kriegern sind Bogenschützen und wahrscheinlich auch Schwertkämpfer. Einige weitere als „Boxer“ bezeichnete Statuen halten in der linken Hand ihren Schild über den Kopf. Viele tragen Rüstungen und gehörnte Helme. Die Nuraghen-Kultur beherrschte Sardinien vom 18. bis ins 6. Jahrhundert vor Christus. Bis heute sind rund 7000 ihrer Befestigungsanlagen auf der Mittelmeerinsel bekannt. Genützt hat es ihne am Ende nichts: Die Karthager eroberten Sardinien nach und nach – und zerschlugen dabei wohl auch die steinernen Krieger.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 09/2012.

Bierbrauer in Grönland

Die Wikinger liebten Bier – so sehr, dass sie offenbar nicht darauf verzichten mochten, als einige von ihnen sich mit Erik dem Roten vor 1000 Jahren auf Grönland ansiedelten. Doch war es während der Wärmeperiode im Mittelalter tatsächlich mild genug, um die Gerste dafür anbauen zu können? Forscher vom dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen haben die Antwort auf diese Frage jetzt am Boden eines Müllhaufens aus der Zeit der Wikinger gefunden. Dort entdeckten sie kleine Stückchen verkohlter Ähren. Sie stammen aus den Anfangsjahren der Wikingersiedlung im Süden Grönlands – die Neuankömmlinge müssen also gleich nach der Ankunft mit dem Anbau des Getreides begonnen haben. Dass die Siedler die Gerste zu Brauzwecken aus der skandinavischen Heimat importierten, schließen die Wissenschaftler aus. Die Ähren hätten zu viel Platz in den Stauräumen der Schiffe eingenommen. „Wenn die Gerste importiert worden wäre, dann wäre sie gedroschen gewesen“, erklärt der Agrawissenschaftler Peter Steen Henriksen. Auf die Forscher wartet nun noch viel Arbeit: 300 weitere Kilo Kompost haben sie zur genauen Untersuchung mit nach Dänemark genommen.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 07/2012.

Anstößiges Kreuz

Im irischen Wicklow könnte demnächst eine ungewöhnliche Ausgrabung starten. Gesucht wird ein keltisches Kreuz, das seit den späten fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts verschollen ist. Bis dahin stand es noch vor der St. Patrick’s Church – wie ein Foto belegt, das die Facebook-Gruppe „Wicklow Past” auf ihrer Seite veröffentlichte. Seit langem wird gerätselt, wohin das Steinmal über Nacht verschwunden ist. Unter Verdacht steht der damalige Priester Matthew Blake. Er soll das Kreuz beseitigt haben, weil darauf unzüchtige Darstellungen eingraviert waren – vielleicht eine „Sheela-na-Gig”: Gemeint sind damit in Irland und Großbritannien verbreitete Steinreliefs, auf denen weibliche Figuren ihre Vulva zur Schau stellen. Offenbar war Blake jedoch nicht der Einzige, dem das Kreuz unheimlich war: Kirchgänger berichteten einst, dass sie Geister oder Feen bei dem Kreuz gesehen hätten. Die Ausgräber hoffen, das verschwundene Steinmal jetzt unter dem Kirchgelände zu finden.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 06/2012.