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Archive für Juni 2005
Burg am Ende der Welt
30.6.2005 by Angelika Franz.
Hamburg sollte gar keine Stadt werden. Die hölzerne Festung war Missionsvorposten, Papst-Exil und Bollwerk gegen die heidnischen Nordmänner
Anno 963, als die Erde noch eine Scheibe war, verbannte man seine Feinde ans Ende der Welt, an den Tellerrand. Dorthin schickte Kaiser OttoI. den unliebsamen Papst BenediktV., als er seinen willfährigen Gegenkandidaten LeoVIII. ins Amt hieven wollte. Machtpolitik im Zentrum der zivilisierten Welt – der Vertriebene aber musste in die Hammaburg, jenes morastige Stück Nirgendwo, das der Hansestadt Hamburg Ursprung und Namensgeber werden sollte.200 bis 300 Bauern hausten dort im zehnten Jahrhundert in einstöckigen Lehmhütten, gemeinsam mit ihrem Vieh. Dazu gesellte sich eine Hand voll Händler. Schon der Name »Ham« muss in Benedikts Ohren trostlos geklungen haben. Auf Spätsächsisch bedeutet er »etwas Befestigtes in einem morastigen Umfeld«. Der norddeutsche Dauerregen machte die sumpfigen Marschen während des größten Teils des Jahres unpassierbar. Die einzige feste Straße führte nicht etwa zurück nach Rom, sondern über den Geestrücken durch eine Furt an der Alster nach Norden ins Stormarnsche Hinterland. Am 4. Juli 964 erlag der abgesetzte Papst dem Regen, dem Heimweh, der Trostlosigkeit. Vor seinem Ableben prophezeite er der Stadt noch, sie werde dereinst verwüstet und öde liegen, und wilde Tiere würden darin wohnen.
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Freudenfest im Sonnenhaus
2.6.2005 by Angelika Franz.
Das viel besungene »House of the Rising Sun« gab es tatsächlich. Archäologen entdeckten im Französischen Viertel von New Orleans die Überreste des Bordells
Als der Song 1964 in die Plattenläden kam, gaben ihm die Kritiker keine Chance. »So lange will doch keiner einem einzigen Lied zuhören«, urteilten sie über die längste Aufnahme, die je auf eine Single gepresst worden war. Doch mit House of the Rising Sun landeten Eric Burdon und seine Band, die Animals, einen Riesenhit. Es war der erste britische Titel, der nicht von den Beatles stammte und es trotzdem in die U. S. Top 20 schaffte. Seit 40 Jahren gehört er zum Bühnenrepertoire von Schülerbands und großen Rock- und Popstars: Bob Dylan, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, The Doors, The Rolling Stones, Marianne Faithfull, Tracy Chapman und Sinead O’Connor sangen das Lied vom Leben eines jungen Mannes, der in einem Bordell in New Orleans auf die schiefe Bahn gerät.
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