Sensationsfund im Speisesaal

Endlos lange sammelten sich auf ihnen der schmierige Ruß von Feuern und die Graffiti vorüberziehender Reisender. Doch jetzt haben Restauratoren des Londoner Courtauld-Instituts die Wände eines Speisesaals in der jordanischen Wüstenstadt Petra vom Schmutz der Jahrhunderte befreit und dabei einen ungeahnten Schatz entdeckt: hellenistische Wandmalereien, die zu den schönsten gehören, die jemals gefunden wurden. Sie zeigen Flora und Fauna in erstaunlichem Detailreichtum. Die Restauratoren konnten Wein, Efeu und Winde identifizieren, Gewächse, die in der griechischen Mythologie dem Gott Dionysos zugeordnet waren. Auch Jungfernkraniche und Jerichonektarvögel sind abgebildet. Dazwischen tummeln sich puttenähnliche geflügelte Figuren. Die Farben leuchten intensiv – unter anderem haben die antiken Künstler Blattgold verwendet. Eigentümer des erlesenen Speisesaals, so vermuten die Experten, dürfte ein vor 2000 Jahren zu Wohlstand gekommener nabatäischer Weinhändler gewesen sein.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 35/2010.

Knöpfe aus Omas Knochen

Die Bewohner der Stadt Teotihuacán im heutigen Mexiko waren offenbar Meister der Wiederverwertung. Sie verarbeiteten Knochen von gerade verstorbenen Vorfahren und machten daraus Knöpfe, Kämme, Nadeln, Spatel und andere Haushaltsgegenstände. Auf diesen makaberen Brauch sind jetzt Experten von der Universidad Nacional Autónoma de México nach der Analyse von etwa 5000 Knochenfragmenten aus den Jahren zwischen 200 und 400 nach Christus gestoßen. Die Archäologen fanden Kratzspuren von Steinen, mit denen die Hinterbliebenen das Fleisch und die Sehnen von den Knochen ihrer gerade verstorbenen Verwandten schabten. Die Knochen mussten noch frisch sein, weil sie nach dem Austrocknen zum Bearbeiten zu spröde waren. Dass es sich bei den Toten tatsächlich um Bewohner von Teotihuacán und nicht um ermordete Feinde handelte, ergab ein genauer Vergleich der Stirnhöhlenknochen, die für eine Bevölkerung jeweils chrakteristisch sind. Nach Ansicht der Forscher könnten die Nachfahren versucht haben, in den Werkzeugen die guten Eigenschaften der Toten zu bewahren. „Sie könnten aus den Armknochen eines Schneiders Nadeln gefertigt haben, um seine Begabung am Leben zu erhalten”, spekuliert Grabungsleiterin Abigail Meza Peñaloza. „Oder jemand machte Knöpfe aus den Knochen seiner Großmutter, um sich immer an sie zu erinnern.”

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 34/2010.

Tauchgang zur „Titanic”

Erst kam der Eisberg, dann kamen die Schatzsucher – und jetzt die Wissenschaftler. 35 Jahre nach der Entdeckung des Wracks der „Titanic” will ein Team von Unterwasserarchäologen die Reste des wohl berühmtesten Schiffes der Welt untersuchen. Bisher wurden zwar schon über 5000 Gegenstände geborgen, darunter Porzellan, Schuhe oder Schiffsteile. Doch das Wrack selbst und sein Zustand interessierte die Schatztaucher nur wenig. „Wir werden die „Titanic” so behandeln wie den Schauplatz eines Verbrechens”, erklärt Expeditionsleiter David Gallo. Mit den neuesten technischen Geräten plant die 20-köpfige Forscher-Crew, eine genaue 3-D-Aufnahme des Wracks und der Umgebung anzufertigen. Mit diesen Daten können die Archäologen dann genau feststellen, wo das Schiff bereits unter den starken Unterwasser-Strömungen, dem Salzwasser und dem enormen Druck am Meeresboden gelitten hat. „Es gibt schon Stellen am Oberdeck und an den Wänden, an denen das Material dünn geworden ist”, sorgt sich Gallo, „und die Decken könnten bald einstürzen.” Die Expedition startet am 18. August. Wer online mit dabei sein will, kann den Forschern auf www.expeditiontitanic.com über die Schulter schauen.

Erschienen in Dein Spiegel 09/2010.

Kleopatras Cocktail

Hat sie oder hat sie nicht? Der römische Gelehrte Plinius beschreibt, wie die ägyptische Herrscherin Kleopatra die teuerste Perle der Welt in einem Glas Essig auflöst und hinunterkippt – nur um eine Wette gegen ihren Geliebten Marcus Antonius zu gewinnen. Zehn Millionen Sesterzen könne sie in einem einzgen Mahl verspeisen, hatte die Königin geprahlt. Altertumsforscher taten die Anekdote bislang als Legende ab; Essig sei nicht imstande, eine Perle aufzulösen. Nun hat die Archäologin Prudence Jones von der Montclaire State University in New Jersey durch einen Versuch herausgefunden: Es funktioniert doch. Vorraussetzung: Die Essiglösung ist nicht zu stark. Am besten, so Jones, läuft die Reaktion in handelsüblichen Weißweinessig mit einer Konzentration zwischen fünf und zehn Prozent ab. Jones legte etwa ein Gramm schwere Perlen ein; einen Tag später war das Gebräu trinkbereit. Von den Perlen blieben nur leicht zu schluckende glibberige Kugeln übrig. War der Essig hingegen zu stark, brauchte die Perle zu lange, um sich aufzulösen. Mit einem einfachen Trick war der Kleopatra-Cocktail schon binnen Minuten trinkfertig: Wird die Perle vorher zu Pulver zerstoßen, bleibt nach einem kurzen Aufbrodeln nichts davon übrig.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 33/2010.

Wunderwaffe im Ärmelkanal

Mit ihren U-Booten versenkten die Nazis Tausende Schiffe – die Briten konterten mit raffinierten Ortungssystemen. Jetzt haben Forscher sechs Wracks im Ärmelkanal entdeckt, die beweisen: Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren Minen die größte Gefahr für die deutschen Boote.

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