Zäune-Boom in der Eisenzeit

Die Geschichte des Gartenzauns begann etwa 1500 v. Chr. – auf den britischen Inseln. „Damals fingen die Menschen an, ihre Felder abzugrenzen”, berichtet die dänische Forscherin Mette Løvschal von der Universität Aarhus im Interview mit der Wissenschaftsplattform ScienceNordic. Für ihre Untersuchungen wertete Løvschal Grabungsberichte, Luftaufnahmen und Oberflächenuntersuchungen aus. Ab etwa 1000 v. Chr., so das Ergebnis, sei der Brauch der Feldabgrenzung in Nordeuropa und im Baltikum zu beobachten. In der Eisenzeit, ab 500 v. Chr., zäunten die Menschen denn auch Häuser und Dörfer ein. „In den kommenden Jahrhunderten gab es einen regelrechten Zäune-Boom”, sagt Løvschal. Von nun an habe es Abgrenzungen aller erdenklichen Arten gegeben: Pfostenreihen, Flechtzäune, Palisaden, Wälle und Gräben. Ab 300 v. Chr. wurden die Zäune zum Machtsymbol – je reicher ein Anwesen, desto aufwendiger die Grenzmarkierung.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 03/2013.

Rätsel um Briten-Vampir

Hat die Angst vor Untoten schon die frühmittelalterlichen Briten umgetrieben? Zu dieser Ansicht neigt offenbar der Archäologe Matthew Beresford, der einem 1959 in der Ortschaft Southwell in Nottinghamshire entdecken Skelett einen ausführlichen Bericht gewidmet hat. Danach waren dem aus dem sechsten oder siebenten Jahrhundert stammenden Opfer lange Eisennägel durch Schultern, Herz und Knöchel getrieben worden – für den Forscher ein Zeichen, dass es sich bei dem Bestatteten um einen „gefährlichen Toten” gehandelt hatte, der am Verlassen des Grabes gehindert werden sollte. Die Furcht vor der Wiederkehr von Toten war zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich: Auch hingerichtete Diebe, Mörder oder sogar Ehebrecher seien mitunter im Grab fixiert, mit dem Gesicht nach unten begraben oder in sumpfigem Boden bestattet worden. Über das Rätsel des „Southwell-Vampirs” wird sich somit weiter trefflich streiten lassen.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 01/2013.

Bier aus der Badegrube

In den schottischen Highlands haben Archäologen ein Steinbecken für warmes Wasser gefunden. Die Bronzezeitlichen Bewohner könnten es nach Ansicht der Forscher als Bad oder Sauna benutzt haben – oder auch zum Brauen von Bier. Die 1,5 mal 1,5 Meter große Grube war mit Steinplatten ausgelegt und über einen Kanal mit einem Fluss verbunden. Eine an diesem Kanal gelegene Feuerstelle sorgte offebar dafür, dass das Wasser erhitzt wurde, bevor es in das Becken floss. „Wir haben keine Tierknochen oder Essensreste gefunden, die darauf hätten schließen lassen, dass es sich um eine Kochstelle handelte”, sagte Ausgräber Gordon Sleight gegenüber BBC News. Ähnliche Becken sind auch aus Irland, England und Wales bekannt. Die frühesten stammen aus der Jungsteinzeit, die spätesten wurden noch im Mittelalter angelegt. Möglich wäre auch, dass die prähistorischen Pools je nach Bedarf abwechselnd genutzt wurden – zum Baden und zum Brauen.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 44/2012.

Geburtstagsspektakel für den Feldherrn

Wurde die Hauptstraße Alexandrias auf den Punkt am Horizont ausgerichtet, an dem am Geburtstag des Stadtgründers, Alexanders des Großen, die Sonne aufgeht? Zumindest die Archäoastronomen Luisa Ferro und Giulio Magli sind davon überzeugt, wie sie in der jüngsten Ausgabe des „Oxford Journal of Archaeology” schreiben. Auch Regulus, der Königsstern im Sternbild Löwe, schob sich ihren Berechnungen zufolge rund um den 20. Juli, den Geburtstag des Makedonenherrschers, in der Verlängerung der Straße über den Horizont. Schon lange hatten Experten sich gewundert, warum das Straßenraster der wie auf dem Reißbrett entworfenen Stadt nicht der Küstenlinie folgt, sondern merkwürdig schräg in der Landschaft liegt. Mit den astronomischen Rekonstruktionen der italienischen Forscher könnte dieses Rätsel jetzt gelöst sein.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 43/2012.

Pyramide im Keller

Unter einem Weinkeller in der italienischen Stadt Orvieto sind Ausgräber auf einearchäologische Sensation gestoßen: Das Gewölbe liegt an der Spitze einer riesigen, mehr als 2400 Jahre alten Kammer. Ein Treppenschacht in dem Keller hatte David George vom Saint Anselm College im US-Bundesstaat New Hampshire stutzig gemacht. Das Schacht war in etruskischer Konstruktionsweise gebaut. Die Etrusker lebten ab etwa 800 v. Chr. in Mittelitalien, bevor die Römer sich dort breitmachten. Unter dem modernen Fußboden und einem weiteren Boden aus dem Mittelalter entdeckte George zusammen mit dem lokalen Experten Claudio Bizzarri vom Parco Archeologico Ambientale dell’Orvietano eine Füllschicht mit etruskischer Keramik. Die Wände weiteten sich mit zunehmender Tiefe: Die unterirdische Kammer hat die Form einer Pyramide. Außerdem entdeckten die Archäologen Gänge, die zu weiteren pyramidenförmigen Kammern Führen. Noch rätseln die Forscher über ihren Fund: „Die Wände sind zu sorgfältig bearbeitet, als dass es ein Steinbruch gewesen sein könnte”, sagt George. „Und es gibt keinen Hinweis auf Schlammablagerungen, wie sie für eine Zisterne typisch wären.” Damit, meint er, blieben nur zwei Möglichkeiten: „Ein religiöses Bauwerk – oder ein Grab.”

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 41/2012.

Verbrüderung am Tresen

Im Osten Schottlands haben Archäologen einen antiken Pub entdeckt, in dem Römer und Einheimische offenbar gemeinsam zechten. Die Uralt-Kneipe befand sich in der Nähe der römischen Befestigungsanlage Stracathro, die um 70 nach Christus zur Grenzlinie gegen die Stämme des Nordens gehörte. Neben der Militärsiedlung sind Ausgräber der University of Liverpool jetzt auf ein Dorf der Kaledonier gestoßen. Bislang galt es als unwahrscheinlich, dass diese Zivilisten im hohen Norden Tür an Tür mit römischen Legionären lebten. Doch zum Kaledonier-Dorf gehörte offenbar auch ein Pub mit dem für römische Tavernen typischen Grundriss: einem rechteckigen Hauptraum, der sich nach vorn zu einer gepflasterten Terrasse – einer Art Biergarten – öffnete. „Der Fund zeigt, dass Römer und Einheimische besser miteinander auskamen, als wir vermutet haben”, sagte die Co-Direktorin des Ausgrabungsprojekts Birgitta Hoffmann der Tageszeitung „The Scotsman”.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 38/2012.

Hirschgeweih im Steinzeithaus

Schon Steinzeitjäger haben ihre Behausungen mit Trophäen verziert. Das zeigen Ausgrabungen im ostkroatischen Bapska, bei denen Archäologen das 6500 Jahre alte Geweih eines Zwölfenders in einem Wohnbereich gefunden haben. Bisher wurden Hirschgeweihe nur in Abfallgruben entdeckt, nie aber als Dekorationsobjekte in Häusern. Der Hirsch, von dem die Trophäe stammt, könnte zu Lebzeiten bis zu 250 Kilogramm gewogen haben. „Ein solches Exemplar nur mit Steinwerkzeugen zu erlegen erforderte Geschick – immerhin handelte es sich um sehr schnelle Tiere”, berichtet Ausgräber Marcel Burić von der Universität Zagreb. Die Jagdtrophäe lag in einer Wohnstätte, in der die Archäologen auch schon andere Luxusgüter wie Obsidianklingen, Schmuck aus Muschelschalen sowie Hämatitbrocken geborgen hatten.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 33/2012.

Fingerabdruck des Steinzeitkünstlers

Menschen haben den Werkstoff Ton offenbar früher regelmäßig genutzt als bislang angenommen. In der Höhle Vela Spila in Kroatien sind Ausgräber auf Fragmente modellierter Figürchen gestoßen, die Künstler bereits vor  17 000 Jahren, also noch während der letzten Eiszeit, geschaffen haben. „Wir beginnen zu verstehen, dass einige paläolothische Gesellschaften Kunst aus keramischem Material lange vor der Jungsteinzeit vor 10 000 Jahren erzeugt haben, als Keramik größere Verbreitung fand und in der Regel für Gebrauchsgefäße verwendet wurde”, sagt der Anthropologe Preston Miracle von der University of Cambridge. Das größte der 36 Fragmente stellt den Torso und die Vorderbeine eines Tieres dar. Ein anderes wurde mit gleichmäßigen Reihen von Eindrücken verziert, wie sie etwa beim Gebrauch eines Stichels entstehen. Auf einigen der Stücke sind sogar noch die Fingerabdrücke des Steinzeitkünstlers zu erahnen.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 32/2012.

Vom Piraten zum Vampir

Ein Eisenstab ragte aus der Brust des Mannes, der auf dem Gelände des Nicolai-Klosters im bulgarischen Sozopol bestattet worden war. Für die Archäologen, die sein Skelett jetzt untersuchen, ein klarer Fall: Seine Zeitgenossen hatten den Mann für einen Vampir gehalten und wollten so verhindern, dass es des Nachts zum Blutsaugen aus seinem Grab aufsteht. Nach eingehenden Nachforschungen glaubt der Ausgräber Boschidar Dimitrow auch den Namen des vermeintlich Untoten zu kennen. Bei dem „Vampir von Sozopol” handele es sich wahrscheinlich um einen Mann namens Kriwitsch – einen berüchtigten Piraten und Banditen, der einst zum Bürgermeister der Stadt aufgestiegen war. Zu seinen Lebzeiten im 14. Jahrhundert galt Kriwitsch als schlechter Herrscher, der die Einwohner der Stadt terrorisierte. Nach seinem Tod hatten die Bürger von Sozopol Angst, dass er, weil seine Seele ihrer Ansicht nach niemals in den Himmel gelangen konnte, eines Nachts wiederkehren  und Tieren und Menschen das Blut aussaugen werde. Zwar mochten sie ihm nicht den Platz nahe der Klosterkirche verweigern, der ihm als Stadtoberhaupt zustand. Doch rammten sie ihm als Vorsichtsmaßnahme den Stab durch die Brust. Das Gebiss des Toten allerdings, beschwichtigt Dimitrow, weise nicht die Vampir-typischen Merkmale auf.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 26/2012.