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Verfasser-Archiv

Ausgegraben 19/2012

Was ist mit den Siedlern von Roanoke passiert? Geheimtinte auf einer Karte aus dem 16. Jahrhundert könnte das Rätsel lösen. In Kambodscha berichten Archäologen von gefährlichen Bananen, Mesoamerika-Forscher betonen den Wert des Ballspiels. Ein Überblick über archäologische Entdeckungen.

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Übers Schafott in den Himmel

Im 17. und 18. Jahrhundert wählten Lebensmüde eine brutale Methode, um der Hölle zu entkommen: Sie begingen Morde, weil sie glaubten, der Gang zum Schafott lösche ihre Sünden aus und mache den Weg ins Himmelreich frei. Das Morden griff in Nordeuropa so um sich, dass Dänemark verblüffend reagierte.

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Maulwürfe als Helfer

Whitney Castle, ein römisches Fort in Nordengland, unterliegt dem Denkmalschutzgesetz – und das verbietet dort Grabungen. Deshalb freuen sich die Forscher über ein Heer kleiner Hilfskräfte: Maulwürfe. Da die Tiere keine Gesetze lesen können, wühlen sie beharrlich römische Artefakte an die Oberfläche. Im April siebten drei Dutzend Hobbyarchäologen unter den strengen Augen der Aufsichtsbehörde English Heritage die Maulwurfshügel durch ­– und förderten so römisches Tischgeschirr, ein Stück wertvoller Tafelkeramik und die Perle einer Halskette zutage. Schon im vergangenen Jahr hatte ein Maulwurf ein delphinförmiges Bronzestück aus dem Erdreich gebuddelt, wahrscheinlich der Handgriff eines antiken Wasserhahns. Mit ihrer Arbeit helfen die Tiere auch, wichtige wissenschaftliche Fragen zu beantworten: So fanden die Archäologen jede Menge Nägel in der Maulwurfserde. Damit ist wahrscheinlich: Die Römer bauten die Gebäude ihres Außenpostens nicht aus Stein, sondern aus Holz.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 19/2012.

Ausgegraben 18/2012

Ein britischer Seemann, der sich seinen Transatlantik-Trip von einer italienischen Bank bezahlen ließ, dahingemeuchelte Wikinger in Oxford - und die populärsten Gebete des Mittelalters. Ein Überblick über neue Entdeckungen aus der Archäologie.

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Kannibalische Neandertaler

Die Neandertaler verspeisten offenbar ihre Verwandten. Die Anthropologin Hélène Rougier von der California State University Northridge hat mit ihrem Team neue Hinweise auf Kannibalismus unter den Urzeitmenschen gefunden. Die Forscher untersuchten eine Sammlung von Knochen, die bereits vor über 100 Jahren aus einer belgischen Höhle geborgen wurden. Dabei konnten sie drei Neandertaler-Individuen identifizieren, an deren Knochen vergleichbare Schnittspuren zu sehen sind wie an den beiliegenden Knochen geschlachteter Tiere. Auf der Jahrestagung der „American Association of Physical Anthropologists“ erklärte Rougier, die Neandertaler könnten das Fleisch von Artgenossen entweder als Teil eines Rituals verzehrt haben oder in Notzeiten, um ihren Hunger zu stillen.  Nachdem sie das Fleisch von den Knochen geschabt hatten, bestatteten die Neandertaler die Überreste ihrer Opfer in einfachen Gräbern.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 18/2012.

Ausgegraben 17/2012

Der Meeresgott Poseidon war unschuldig am Tod einer persischen Armee, Steinzeitler aßen Elefanten bis auf das letzte Knochenstück, in Peru blieben Familien auch im Tod zusammen. Ein Überblick über neue Entdeckungen aus der Archäologie.

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Ausgegraben 16/2012

Schweizer Archäologen wollen die sterblichen Überreste eines Priesters identifizieren, der im Dreißigjährigen Krieg kämpfte. In Peru staunen Forscher über die Grabbeigaben einer jungen Frau: Sie hielt in der Endzeit ihrer Kultur Opferzeremonien ab. Ein Überblick über neue archäologische Entdeckungen.

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Tod im Heuhaufen

Im spätmittelalterlichen England starben überraschend viele Menschen in der wärmeren Jahreszeit. Darauf ist der britische Historiker Steven Gunn von der Oxford University durch Auswertung von rund 9000 Leichenbeschauerberichten des 16. Jahrhunderts gestoßen. Seiner Studie zufolge kamen die Menschen zwischen April und September vor allem bei der Arbeit um. Viele wurden damals durch Wind- oder Wassermühlen zerquetscht oder fielen bei der Obsternte vom Baum. Tätigkeiten in der mittelalterlichen Holzwirtschaft waren am gefährlichsten. Regelmäßig wurden Arbeiter etwa beim Sägen von Bäumen erschlagen; häufig gerieten Holzladungen ins Rutschen. Aber auch die Plackerei auf dem Feld erwies sich als riskant. Die bizarrsten Arbeitsunfälle: Mitunter wurden Landarbeiter während eines Nickerchens vom Heuhaufen begraben und erstickten darunter.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 17/2012.

Walfangboot des Alaska-Kriegers

Forscher sind auf das weltweit einzige bekannte Kajak eines Alutiiq-Kriegers gestoßen. Der Fund wird derzeit am Peabody Museum an der Harvard University untersucht. Um das Jahr 1860 baute der unbekannte Mann das Boot, indem er die Häute von fünf weiblichen Seelöwen über ein ausgeklügeltes Holzskelett spannte. Mit dem Kajak ging er dann vermutlich in den Gewässern um Kodiak Island auf Walfang. Die außergewöhnliche Konstruktion mit einem gegabelten Bug ermöglichte es ihm, besonders kräftesparend übers Wasser zu gleiten. Die heute noch in Südalaska lebenden rund 4000 Angehörigen der Volksgruppe wissen über die seetüchtigen Boote ihrer Vorfahren nur noch wenig. „Über 7000 Jahre Erfahrungen stecken in der Konstruktion dieses Kajaks”, sagt der Anthropologe Sven Haakanson, selbst ein Alutiiq. Bei den Analysen wollen die Wissenschaftler herausfinden, womit der Konstrukteur die Seelöwenhaut imprägnierte und von welchen Tieren die Sehnen stammen, mit denen die Häute zusammengenäht wurden. Auch für einige Strähnen Menschenhaar nahe dem Bug interessiert sich Haakanson: „Vielleicht verkörpern sie den Geist einer mächtigen Persönlichkeit, die dem Eigentümer im Krieg oder beim Walfang half.” Die heute lebenden Alutiiq benutzen moderne Boote.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 16/2012.

Promi-Werbung für die Armee

Stars aus der Welt des Sports wurden in der Antike offenbar gezielt eingesetzt, um junge Männer für den Dienst in der römischen Armee zu begeistern. Belegt ist dies zumindest für die Stadt Oinoanda im Südwesten der heutigen Türkei. Dort warb vor rund 1800 Jahren der erfolgreiche Ringer und Athlet Lucius Septimius Flavianus Flavillianus Rekruten für die römischen Legionen an, wie eine in der Zeitschrift „Anatolian Studies” veröffentliche Inschrift verrät. Dem Text zufolge eskortierte Flavillianus die Männer anschließend selbst in die Stadt Hierapolis. Das Charisma des Ausnahmekämpfers tat offenbar seine Wirkung: Die Jugend folgte seinem Werben in Scharen. Von den Siegen des Athleten im Ringen und im Pankration, einer besonders blutigen Kampfsportart, berichten auch andere Inschriften in der Stadt. „Dank seiner immensen Berühmtheit fiel es Flavillianus wahrscheinlich leicht, Freiwillige zusammenzutrommeln”, erklärt Studienautor Nicholas Milner vom British Institute in Ankara.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 15/2012.