Wikingerdock im Robbenland

Auf der Suche nach Spuren des Klimawandels in Grönland hat eine norwegische Expedition wahrscheinlich die bislang nördlichste ganzjährig bewohnte Wikingersiedlung auf der Insel entdeckt. Das Team des „Melting Arctic“-Projekts unter der Leitung von Knut Espen Solberg fand an der Baffinbai die Ruinen einiger kleiner Steinhäuser sowie ein Dock für große Schiffe mit bis zu 30 Meter Länge. Dass in diesen nördlichen Gefilden die Wikinger nach Walrossen, Robben und Eisbären jagten, ist aus zeitgenössischen Berichten bekannt. Bislang gab es aber noch keinen archäologischen Nachweis für Siedlungstätigkeit in der Region. Die einzige andere Erklärung: Erst Walfänger des 16. Jahrhunderts errichteten das Dock. Wann genau die Anlage entstand – und wer folglich die Erbauer waren – , soll jetzt eine C14-Datierung klären. Im 14. Jahrhundert, als die Wikinger im Norden Grönlands siedelten, war das Klima an der Baffinbai deutlich wärmer. Sogar Bäume wuchsen damals auf dem kargen Boden, der heute nur aus Eis und Granit besteht. Warum dann aber eine Kälteperiode einsetzte, und zur Flucht der Nordmänner aus dem unwirtlich gewordenen Grönland führte, ist bislang noch wenig erforscht.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 33/2008.

Ausgrabung am Monitor

Graben ohne Spaten – dass dies möglich ist, hat der Archäologe David Thomas von der La Trobe University in Melbourne jetzt eindrucksvoll bewiesen. Weil eine Reise nach Afghanistan zu gefährlich war, setzte er sich an den Rechner und inspizierte einen 1367 Quadratkilometer großen Streifen der Wüstenregion Registan mit Hilfe der Satellitenbilder von Google Earth. Er entdeckte dabei 463 archäologische Strukturen, darunter eine alte Festung, Lagerplätze, Dörfer, Wasserreservoirs und Kanäle. Von der alten Winterhauptstadt Bust am Ufer des Helmands, wo schon in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts französische Archäologen gegraben haben, fertigte er erstmals eine genaue Karte. Die Wüste eignet sich nach Ansicht des Forschers besonders gut für die systematische Inspektion aus der Vogelperspektive – weder Vegetation noch moderne Bebauung behindern den Blick auf de Stätten. „Das Wertvollste an unserer Arbeit ist, dass wir diese Informationen jetzt an die afghanischen Archäologen weitergeben können“, sagt Thomas.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 32/2008.

Atlantis im Mittelmeer

Auf dem Meeresgrund vor Israel liegt die jungsteinzeitliche Siedlung Atlit-Yam. Seit Jahren rätseln Wissenschaftler, warum das Fischerdorf vor 8000 Jahren aufgegeben wurde. Ein Tsunami habe den Ort verwüstet, glaubt eine Archäologin nun. Doch andere Forscher widersprechen scharf.

Den Beitrag bei Spiegel Online lesen»

Tödliche Tinte

Es war wohl der Dienst an Gott, der die Mönche der ehemaligen Abtei Øm in Dänemark das Leben kostete. Das zumindest legt die Studie des Chemikers Kaare Lund Rasmussen von der Süddänischen Universität in Odense nahe. Er untersuchte Knochen aus sechs mittelalterlichen Friedhöfen – und in denjenigen der Ømer Mönche fand er einen auffällig hohen Quecksilberanteil. Die Ursache, so Lund Rasmussen, sei die rote Tinte gewesen, mit der die Mönche einst die Bibel kopierten. Denn die bestand aus Cinnabarit, bekannt als Zinnober, ein Sulfid des Quecksilbers. Eigentlich war der Stoff ein gängiges Medikament zur Behandlung von Syphilis und einer lepraähnlichen Krankheit namens FOS – und in den Knochen von den anderen Friedhöfen fand Lund Rasmussen auch entsprechende Belege: 79 Prozent der FOS-Opfer und 35 Prozent der Syphiliskranken trugen Quecksilberspuren. Doch bei den Mönchen von Øm bemerkte er keinerlei Hinweis auf diese Krankheiten: Ihre Knochen hätten also quecksilberfrei sein müssen. Lund Rasmussen ist daher überzeugt, dass die zinnoberrote Schwermetallfarbe die Kopisten der Bibel nach und nach vergiftet hat: „Es ist eine sehr menschliche Angewohnheit, den Pinsel zu lecken, wenn man eine feine Linie malen will.“

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 28/2008.

10 000 Jahre Paris

Paris ist älter als gedacht: Vor fast 10 000 Jahren fertigten Jäger und Sammler schon Fellmäntel am Ufer der Seine – Archäologen haben im 15. Arrondissement die Reste einer improvisierten Werkstatt aus der Steinzeit entdeckt, anderthalb Kilometer vom Eifelturm entfernt. Bislang galt der 3000 Jahre jüngere Fund eines Fischerdorfes zwischen Seine und heutiger Gare de Lyon als erste Siedlungsspur. Auf dem neuentdeckten Platz sortierten und verarbeiteten die Steinzeit-Pariser neben Fellen auch Feuerstein: Sie kamen zwischen den Jagdzügen ans Ufer, fertigten aus den Steinen neue Waffen und Werkzeuge und nahmen die erbeuteten Tiere aus. „Manchmal blieben sie einige Tage, manchmal Wochen “, sagt die Ausgräberin Bénédicte Souffi. Nun soll an der Fundstelle eine Sortieranlage für den Müll zweier Arrondissements gebaut werden. ”Damit schließen wir den Kreis: Unsere Vorfahren trennten hier um 7600 vor Christus brauchbare von unbrauchbaren Steinen. Wir werden bald Ähnliches tun – in etwas größerem Maßstab.“

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 28/2008.

Wein aus der Wüste

„Das ist mein Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden“, sprach Jesus beim Letzten Abendmahl und gab seinen Jüngern Wein zu trinken. Das Ritual der Christenheit war geschaffen – und fortan hatten die Gläubigen ein Problem: Begehrt war vor allem Saft von Reben, die im heiligen Boden gewurzelt hatten. Die Erde auf der Halbinsel Sinai aber war dürr und unfruchtbar. Trotzdem haben Archäologen dort jetzt ein Anbaugebiet in der Nähe des Katharinenklosters aus dem 4. Jahrhundert entdeckt, am Fuß des Djebel Musa, jenes Bergers, an dem Gott aus dem brennenden Dornbusch zu Mose sprach und dieser die Zehn Gebote empfing. Der Fundort liegt mitten in einer kargen Wüstenlandschaft – offenbar verfügten die frühen Winzer über effiziente Bewässerungssysteme. Die Ausgräber fanden zwei Becken mit je 1,2 Meter Durchmesser, in denen die Mönche den Wein mit den Füßen pressten. Amphoren für die Abfüllung, Traubenkerne und rote Rückstände an den Wänden belegen außerdem, dass die Anlage zum Keltern benutzt wurde. Patrick McGovern von der University of Pennsylvania, Molekulararchäologe und Spezialist für alten Wein, ist sicher: „Da „heiliger Wein“ im Mittelalter bei Pilgern sehr beliebt war, vermute ich im Katharinenkloster sogar noch weitere Weinpressen. Wahrscheinlich wurde dort in ganz großem Stil gekeltert.“

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 27/2008.

Katastrophen-Detektiv – der schlimmste Job der Welt

Er macht eine Arbeit, die keiner machen will: Der US-Forensiker Richard Gould durchkämmt Katastrophen-Schauplätze nach Spuren menschlicher Überreste. Familien der Opfer verschafft er so Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen. Psychisch ist der Job die Hölle.

Den Beitrag bei Spiegel Online lesen»

Die mysteriösen Steine von Newark

Es schien ein Jahrhundertcoup zu sein, als 1860 der Forscher David Wyrick hebräische Tafeln aus einem Acker in Ohio grub. Der Fund schien zu beweisen, dass alle Völker auf den Stamm Israel zurückgehen. Sogar der Bürgerkrieg schien abwendbar. Doch die Steine waren dreist gefälscht – in bester Absicht.

Den Beitrag bei Spiegel Online lesen»