Topfpflanze XXL

Erforderlich waren drei Monate Planung, ein tonnenschwerer Kran und zehn flinke Gärtnerhände, um diese eine Pflanze umzutopfen: den Brotpalmfarn (Encephalartos altensteinii) in den Königlichen Botanischen Gärten in London. Das Prachtexemplar wächst bereits seit 1775 in den Kew Gardens. Der Brotpalmfarn war eine der ersten Pflanzen der damals neu gegründeten Anlage. Seinen Samen brachte der Botaniker Francis Masson von der zweiten Südseereise des Entdeckers James Cook mit. Wahrscheinlich stammt der Keimling aus der östlichen Kapregion Südafrikas. Mit einer Wachstumsgeschwindigkeit von 2,5 Zentimetern pro Jahr hat es die Uralt-Topfpflanze auf eine stattliche Höhe von 4,40 Metern gebracht. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Bei guter Pflege können Palmfarne 500 Jahre alt werden. So lange wird denn auch der neue maßgeschneiderte Topf aus edlem Mahagoniholz nicht reichen – erst Anfang der achtziger Jahre war das Gewächs zuletzt umgetopft worden.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 33/2009.

Armer Ritter

Der Alltag war hart für die Edelmänner im 14. Jahrhundert. Das belegt eindrucksvoll der Fund eines Ritters, der unter dem Fußboden einer Kapelle im schottischen Stirling Castle bestattet worden war. Archäologen entdeckten dort die Gebeine eines Mannes, der zu Lebzeiten offenbar viel Prügel einstecken musste. Wahrscheinlich starb der etwa 25-Jährige an den Folgen eines Schwerthiebs über Nase und Kinn, der ihn liegend getroffen hatte. In seiner Brust steckte überdies eine große Pfeilspitze, die den Geschundenen schon geraume Zeit vor seinem Tod getroffen hatte. Auf dem Schädel des Ritters fanden die Archäologen zudem eine Delle, wahrscheinlich von einem Hieb mit dem Schwertknauf oder einer Axt. Auch hier hatte der Körper längst mit der Reparatur des beschädigten Knochengewebes begonnen, bevor der finale Schwerthieb den Mann dahinraffte.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 33/2009.

Wurmspuren in der Wikingerkarte

Ist die berühmte Vinland-Karte, auf der ein unbekannter Kartograf angeblich bereits um 1440 westlich von Grönland eine große Landmasse („Vinland“) einzeichnete, eine Fälschung? Oder dokumentiert sie tatsächlich die Reisen der Wikinger, die lange vor Christoph Columbus nach Amerika gelangten? Offenbar kann der langjährige Forscherstreit nun als entschieden gelten: „Wir haben nach fünf Jahren intensiver Studien keine Hinweise dafür gefunden, dass die Vinland-Karte gefälscht ist“, resümiert René Larsen, Rektor der Konservatorenschule an der Royal Danish Academy of Fine Arts. Vor allem die Tinte galt bislang als Argument für eine Fälschung, denn es ist keine in jener Zeit üblicherweise verwendete Eisengallustinte, sondern eine Flüssigkeit auf Kohlenstoffbasis. Trotzdem enthält sie Partikel von Anatas, einem seltenen Mineral, das sich in Eisengallustinte bilden kann, nicht aber in kohlenstoffbasierter Tinte. Das Anatas, so Larsen, komme aus dem Sand, der zum Trocknen darüber gestreut wurde. Und die Wurmlöcher im Pergament der Karte stimmten mit denen im Deckel jenes Buches überein, in das sie eingebunden war.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 32/2009.

Neandertaler aus der Nordsee

Erschienen in Geo, August 2009
Paläontologie Muschelfischer haben vom Grund der Nordsee einen außergewöhnlichen Beifang mitgebracht: den ältesten menschlichen Knochen, der je unter Wasser gefunden wurde
Besonders gut ging es dem Neandertaler, von dem das Augenbrauenteil des Stirnbeins gehoben worden ist, gegen Ende seines Lebens wohl nicht. Er dürfte unter Kopfschmerzen, Schwindel, Gleichgewichts- und Sehstörungen gelitten haben. Eine kleine Delle im Knochen scheint von einer sogenannten Epidermoidzyste zu stammen. Weiterlesen

Dino, wo bist Du?

Wer in Lyme Regis an der englischen Südküste Ferien macht, hat dabei Gesellschaft von Ammoniten, Nautiliden und Belemniten. Denn die Jurassic Coast ist ein Schatzplatz für Fossilien. Glückspilze stolpern sogar ab und an über ein Saurierskelett.

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