Erschienen in Geo, Juli 2010
Vor 420 Jahren verschwanden mehr als 100 Engländer in Nordamerika. Ein Gentest soll klären, wo sie geblieben sind
Die Geschichte ist kaum bekannt: Mehr als drei Jahrzehnte vor Ankunft des Pionier-Schiffes Mayflower 1620 lebten bereits etwa 120 Männer, Frauen und Kinder aus Europa auf Roanoke Island vor der Küste des heutigen US-Bundesstaates North Carolina. Doch als im Jahr 1590 Versorgungsschiffe eintrafen, fehlte von ihnen jede Spur.
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Harry Potter statt Micky Maus
Micky Maus kann einpacken. Denn am 18. Juni bekommt die alte Maus in Orlando, Florida, einen neuen Nachbarn: Nur wenige Kilometer von Disneyworld entfernt eröffnet die Wizarding World of Harry Potter, ein neuer Vergnügungspark der Universal Studios. Hauptattraktion des Parks wird die Tour Harry Potter und die Verbotene Reise sein. Schon das Anstehen für die Fahrt ist ein Erlebnis – denn die Schlange führt durch die Hallen von Hogwarts. Die Besucher laufen durch das Büro von Rektor Dumbledore, durch den Raum der Wünsche, vorbei am Sprechenden Hut und am Spiegel von Erised. Und dann geht’s erst richtig los: Ein als verzauberte Bank getarntes Gefährt schwebt über Hogwarts, entkommt nur knapp einem Drachenangriff und findet sich urplötzlich mitten in einem Quidditch-Spiel wieder. Wem das noch nicht genug Action ist, der kann sich auf den Dragon Challenge wagen. Auf dieser zweigeteilten Achterbahn kämpfen ein chinesischer Feuerballdrache und ein ungarischer Hornschwanzdrache gegeneinander – beide Wagen fahren gleichzeitig los und rasen auf ineinanderverdrehten Bahnen. Auf der Rückseite des Dragon Challenge ist übrgens eine hohe Mauer, um den Krach abzuhalten. Denn gleich dahinter liegt eine Schule – und die Schüler könnten sonst bei dem Gekreische der Fahrgäste nicht lernen.
Erschienen in Dein Spiegel 07/2010.
Urwald-Indianer erfanden den Flummi
Präkolumbische Völker begerrschten es bereits im 16. Jahrhundert meisterhaft, ebenso haltbare wie fexible Gummimixturen herzustellen. Das haben die US-Forscher Dorothy Hosler und Michael Tarkanian vom Massachussetts Institute of Technology herausgefunden, als sie im Labor uralte Rezepturen aus Zutaten nachkochten, die sie in Mexiko gesammelt hatten. Azteken und Maya kochten das Gummi demnach aus Pflanzensäften des Kautschukbaumes und der kletternden Prunkwinde. Für besonders haltbare Schuhsohlen mischten sie Kautschuk und Prunkwinde im Verhältnis drei zu eins. Die Urwald-Indianer erfanden auch den Flummi: Damit Gummibälle für rituelle Spiele möglichst hoch sprangen, mischten sie weniger Kautschuk unter. Klingen und Griffe ihrer Waffen wiederum klebten die Völker mit reinem Latex zusammen.
Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 23/2010.
Stonehenge war nicht allein
Erschienen in Geo, Juni 2010
Hat die Megalithkultur in England viel früher begonnen als bislang angenommen?
Das Dartmoor im Süden Englands ist reich an vorgeschichtlichen Monumenten. Etwa 80 Steinsetzungen sind aus der Region bekannt. Doch sie alle standen bislang im Schatten des bekanntesten und angeblich sehr frühen Megalithbauwerks: Stonehenge. Nun aber hat der Archäologe Tom Greeves in einem entlegenen Winkel des Dartmoors eine bislang unbekannte Reihe aus Riesensteinen entdeckt – und dabei den Ursprung der britischen Steinformationen um bis zu 600 Jahre weiter in die Vergangenheit verlegt.
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Ritter Narbengesicht
Britische Anthopologen machen es möglich, ins Gesicht eines mittelalterlichen Ritters zu schauen – 669 Jahre nach dessen Tod. Sir John de Stricheley starb am 10. Oktober 1341, als er das von den Schotten belagerte Stirling Castle für England verteidigte. Der wackere Mann wurde – gemeinsam mit neun weiteren Toten – in der Burgkapelle beigesetzt. Zu Lebzeiten war Sir John offenbar hart im Nehmen: Sein Schädelknochen wies eine deutliche Delle auf, wahrscheinlich durch einen Axthieb. Die Wunde war jedoch zum Todeszeitpunkt schon lange wieder verheilt. Auch fehlten ihm eine ganze Reihe Zähne – nicht etwa durch Karies, sondern infolge von Gewaltanwendung. Die Gesichtsrekonstruktion des Haudraufs zeigt die Spuren eines abenteuerlichen Lebens: Er war ein sehr starker und durchtrainierter Edelmann mit der Physiognomie eines professionellen Rugbyspielers, erklärt Archäologe Richard Strachan. In Sir Johns Grab fanden die Forscher auch das Skelett eines kleinen Jungen. Ob es sich um den Sohn des zu seinem Todeszeitpunkt etwa 25 Jahre alten Ritters handelt, ist nicht bekannt. Auch die Knochen einer Frau lagen in unmittelbarer Nähe. Ihr Schädel war vom Hieb eines Streitkolbens zerschmettert.
Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 22/2010.
Rotwein aus dem Brunnen
Zum ersten Mal seit vielen Jahrhunderten ziert wieder ein Weinbrunnen einen englischen Königspalast. Historiker haben ihn nach einem Gemälde aus der Zeit Heinrichs VIII. für Hampton Court Palace bei London rekonstruiert. In dem achteckigen Brunnen plätschern an Wochenenden und Feiertagen für eine Stunde Rotwein und gekühlter Weißwein aus der französischen Gascogne – an gewöhnlichen Werktagen allerdings nur Wasser. Das 4,30 Meter hohe Gebilde steht in einem Hof des Palastes; genau dort, wo Archäologen vor zwei Jahren tatsächlich die Basis eines ähnlichen Brunnens gefunden haben. Von Heinrich VIII. ist überliefert, dass er zeitweilig bis zu 15 000 Gallonen Wein in seinen Kellern gehortet hat. Gelegenheiten zum Saufgelage gab es zu seiner Zeit reichlich: Zur Krönung seiner zweiten Ehefrau Anne Boleyn im Jahr 1533 etwa floss in öffentlichen Brunnen Londons einen ganzen Tag lang Freiwein für alle Untertanen.
Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 19/2010.
Geburtsstunde der Menschenkleidung
Unsere Vorfahren haben sich offenbar schon weit früher in Kleider gehüllt als bislang angenommen. Das hat ein Team um den US-Biologen Andrew Kitchen von der Pennsylvania State University herausgefunden – auf dem Umweg über die Tierwelt. Durch umfangreiche Erbgutanalysen ermittelten die Forscher, dass sich die Kleiderlaus vor rund 190000 Jahren im Stammbaum der Menschenläuse abspaltete. Ihre Entstehung, so die Forscher, wäre nicht möglich gewesen, wenn ihr der Urmensch zu dieser Zeit keinen geeigneten Lebensraum geboten hätte. Zwar verloren die Vorfahren des Homo sapiens schon vor mehr als einer Million Jahren ihre schützende Körperbehaarung. Viele Indizien sprachen allerdings bislang dafür, dass er erst viel später damit begann, seine nackte Haut mit Tierfellen oder pflanzlichen Geweben zu bedecken. Andere Forscher gingen bisher davon aus, dass diese Kulturwende erst vor rund 100000 Jahren stattgefunden haben könnte.
Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 18/2010.
Scout: Drei perfekte Tage in… Cornwall
Erschienen in Geo Saison, Mai 2010
Im Südwesten Englands kann man wilde Wellen reiten. Oder mit bloßen Händen in Geheimnissen wühlen: Bei den Lehrgrabungen einer Archäologin legt man Hexenzauber frei Feinarbeit.
Archäologen schaufeln „Zehn Gebote“ frei
Unter kalifornischen Dünen liegt ein altägyptischer Tempel vergraben – der nicht mal hundert Jahre alt ist. Der einstige Schauplatz des Stummfilmepos „Die Zehn Gebote“ ist jetzt ein Fall für Archäologen: Sie bergen die gigantische, fragile Hollywood-Kulisse aus dem Sand. Und haben zu kämpfen.
Warum Rattenurin ein wahrer Schatz ist
Die Masse erinnert an Erdnussriegel und lagert in Nestern der Amerikanischen Buschratte: Für Wissenschaftler ist die Mischung aus Kot und Urin ein unschätzbares botanisches und kulturelles Archiv. Aus den Exkrementen und ihrem Fundort lernen sie erstaunliche Dinge über Klima- und Vegetationswandel.