Die Fasern der Neandertaler

Die Neandertaler haben möglicherweise schon vor 90000 Jahren die Kunst beherrscht, Pflanzenfasern zu Zwirn zusammenzudrehen. Das schließt ein Team um den US-Archäologen Bruce Hardy aus Proben, auf welche die Forscher an einer französischen Fundstelle gestoßen sind. Die entdeckten Fasern hätten, wie die Archäologen bei Experimenten nachgewiesen haben, nicht mit anderen Techniken so verdreht werden können. Sollten dies tatsächlich Reste eines handgefertigten Zwirns sein, wäre dies ein Beleg dafür, dass die Neandertaler bereits mit Schnüren hantierten – bisher galt diese Kulturleistung als eine Erfindung des Homo spaiens: Die ältesten Zwirnfunde sind knapp 20000 Jahre alt.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 49/2013.

Künstlerinnen der Steinzeit

Erschienen in Geo, Dezember 2013
Am 21. Januar 1980 erschien im Magazin „New Yorker” ein Cartoon des Zeichners Lee Lorenz. Eine Gruppe Steinzeitfrauen steht dort vor einer Höhlenwand mit Malereien. „Findet es noch jemand seltsam, dass keiner der großen Maler ein Mann war?”, fragt eine von ihnen die anderen.
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Göttliches Bier

Archäologen vom Oriental Institute der University of Chicago haben sich mit einer kleinen Brauerei im US-Bundesstaat Ohio zu einem ungewöhnlichen Projekt zusammengetan: Sie wollen Bier genau so brauen, wie es die Sumerer vor Tausenden Jahren in Mesopotamien taten. Anleitungen für das Experiment holte sich das Team von der um 1800 vor Christus entstandenen „Hymne an Ninkasi”, die der sumerischen Göttin des Brauens huldigt, aber auch schildert, wie man das in allen Schichten der Hochkultur verbreitete flüssige Nahrungsmittel herstellt. Neben Tipps gaben die Forscher den Braumeistern auch die richtigen Tongefäße – Kopien von Grabungsfunden aus dem Irak. Mit den ersten Ergebnissen lässt sich derzeit noch kein moderner Gaumen entzücken: Der frühgeschichtliche Getreidesagt schmeckt leicht nach Essig. Schuld sind Bakterien, die mangels moderner Reinigungsverfahren in den Töpfen gedeihen. Mehr Kostproben des Trunks wollen die Hersteller laut „New York Times” im Spätsommer auf Veranstaltungen in den USA anbieten.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 28/2013.

Steinzeit-Mischling

Wie sahen sie aus, die Mischlinge aus Neandertaler und modernem Homo sapiens? Auf ein Exemplar, das aus sexuellen Kontakten beider Spezies hervorgegangen sein könnte, sind Forscher um die Anthropologin Silvana Condemi von der Universität Aix-Marseille gestoßen. Von ihrer Untersuchung eines rund 35000 Jahre alten Unterkieferstücks berichten sie in der Zeitschrift Plos One. Die Analyse des bereits 1957 geborgenen Fragments habe ergeben, dass die aus den Knochen isolierte mitochondriale DNA von einer Neandertalerfrau stammte. Das markant ausgeprägte Kinn hingegen spricht dafür, dass Gene des Homo sapiens eingeflossen sind. Aus dem selben Fundstück hatten die Experten schon zuvor weitere Informationen über das Leben des vermeintlichen Hybriden gewonnen: So scheint er eine schwere Kieferentzündung durchlitten zu haben. Bei seinem Tod dürfte er kaum noch Zähne im Unterkiefer gehabt haben.

Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 15/2013.