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Mai 2012
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Archiv der Kategorie Nahost

Erleuchtung aus der Höhle

“Zu verkaufen: biblische Handschriften, die bis mindestens 200 v. Chr. zurück datieren. Hervorragend geeignet als Schenkung einer Privatperson oder einer Gruppe an ein wissenschaftliches oder religiöses Institut. Chiffre F 206.”

Diese Anzeige auf Seite 14 des Wall Street Journal vom 1. Juni 1954, zwischen Annoncen für Stahlbehälter oder elektrische Schweißapparate und den Wohnungsangeboten, vermochte kaum Interesse bei den Lesern zu erregen. Und doch ist dieses Angebot in etwa so spektakulär, als fände man auf einem Flohmarkt die Totenmaske des Tut-Anch-Amun zwischen Spitzenblusen und einer gesprungenen Suppenschüssel mit Blümchenmuster. Denn die unter Chiffre F 206 zum Verkauf stehenden Schriften sind Bibel-Urtexte, geschrieben zu einer Zeit, als es das Neue Testament, wie wir es heute kennen, noch gar nicht gab. Geschichten, die als nicht geeignet für die Heilige Schrift befunden wurden und so in Vergessenheit gerieten. Den Rest des Eintrags lesen »

Zu schwach für die Frauen

8 Tote, 17 Tote, 2 Tote… Die Zahlen der getöteten Israelis bei palästinensischen Selbstmordattentaten nehmen sich bescheiden aus im Vergleich mit dem Anschlag, den ein Israeli um das Jahr 1200 v. Chr. auf eine Versammlung von Palästinensern verübte. Über 3000 feiernde Zivilisten riß Samson mit sich in den Tod, als er damals den Tempel des Dagon zum Einsturz brachte. Den Rest des Eintrags lesen »

In den Händen der Hisbollah

Eigentlich wollte der Hoechst-Manager Rudolf Cordes bereits am 16. Januar nach Beirut fliegen, doch die Maschine fiel wegen eines Triebwerkschadens aus. Mit einer Mitarbeiterin am Schalter der Fluggesellschaft bespricht er die Alternativen: entweder noch am selben Abend über Damaskus nach Beirut oder am nächsten Tag direkt. Cordes wählt den Direktflug. Das wird ihm zum Verhängnis. Den Rest des Eintrags lesen »

Im Schoß der 72 Jungfrauen

Sie warten auf Dich unter dem Zündknopf der Bombe, nur einen daumenbreit entfernt. In freudiger Erwartung ihrer Künste wirst Du nicht schwanken, nicht zaudern, nicht zweifeln am den, was Du tust. Denn der Preis für den direkten Weg in den Schoß der 72 Huri, der sagenhaften Jungfrauen des Paradieses, ist der Märtyrertod. „Märtyrer“ ist das Zauberwort, der schnöde Selbstmörder landet in der Hölle. Deshalb spricht man in der Helden-Hochburg Palästina nicht gern von „Selbstmordattentätern“. Es sind „heilige Explosionen“, die der Botschaft des Islam Nachdruck verleihen sollen. Den Rest des Eintrags lesen »

Hilfe für Afghanistans Frauen

Sie wollen Schulen gründen für eine Generation von Mädchen, die bislang keine Hoffnung hatte, jemals einen Brief zu schreiben oder ein Buch lesen zu können. Für Kinder, denen das ABC fremder ist als die Exekutionen, Auspeitschungen, Plünerungen und Vergewaltigungen, die sie täglich mitansehen mußten. Und sie wollen ein Krankenhaus wiederaufbauen, das aus Geldmangel geschlossen werden mußte. Das kleine Krankenhaus in Quetta/Pakistan, in dem 400 Betten zur Verfügung stehen für die Opfer von Landminen, für Frauen und Kinder, war eines der besten der Region. Viele Leser fragen nach dem stern-Bericht über die Aktionen der sanften Rebellinen von der Widerstandsbewegung RAWA, wie der Kampf der afghanischen Frauen weitergeht. Den Rest des Eintrags lesen »

Revolution vom Band

Auch im Islam war am Anfang das Wort. Allah offenbarte es seinem Propheten Mohammed, und dieser verbreitete es in der Welt. Und das Wort war Macht. Mehr als tausenddreihundert Jahre später nutzte ein Sayed, ein direkter Nachkomme Mohammeds, erneut die Macht des Wortes — um aus dem Exil heraus der zweitausendfünfhundertjährigen Herrschaft der persischen Monarchie ein Ende zu bereiten. Ayatollah Khomeini sprach seine machtvollen Worte und schweißte sie in unspektakuläre kleine Plastikschachteln. Er stellte dem übermächtigen Heer des Schahs Reza Pahlewi eine Flut von Tonbandkassetten entgegen. Der greise Prediger setzte zur Verbreitung seines mittelalterlichen Weltbildes eine Technik ein, die damals auf dem neuesten Stand war. Den Rest des Eintrags lesen »

Die zweite Front im Golfkrieg

Im „Dharan International Hotel“ in Saudi Arabien trafen sich während des Golfkrieges die Reporter und Fotografen der internationalen Medien - gestandene Männer und Frauen, die im Leben schon in viele Gewehrmündungen geblickt und mit ihren Kameras die Gesichter etlicher Leichen festgehalten hatten. Doch in diesem Krieg bekamen sie unter der strengen Zensur des Pentagon weder Gewehrmündungen noch Leichen zu sehen. „Es war ein Ferienlager“, beschrieb CBS-Produzentin Lucy Spiegel die Stimmung vor Ort.

Der Golfkrieg wurde zu großen Teilen nicht am Golf ausgetragen. Er entstand vor allem an den Schreibtischen der Medienzentren, wo die Nachrichten, die von der Front nicht kamen, erdacht und gemacht wurden. Den Rest des Eintrags lesen »

Das Palestinensertuch

Es roch immer ein wenig nach Abenteuer. Unter dem Duft von kaltem Zigarettenrauch und den letzten Spuren von Waschmittel lag noch dieser feine, unwiderstehliche Hauch verwegener Freiheit. Das Palästinensertuch umzuwickeln war ein Ritual: Die Zipfel vorn am Hals feststecken und wissen, es kann losgehen.

Das Palästinensertuch war in den 70er und 80er Jahren nicht einfach ein Kleidungsstück. Es war Erkennungsmarke unter Gleichgesinnten und Affront für Andersdenkende, Einheitstracht der Friedensbewegung und Symbol für zivilen Ungehorsam. Doch wie kam eine Kopfbedeckung, die in der westlichen Zivilisation so fremd ist wie ein Indischer Elefant auf dem Kirchplatz von Königs Wusterhausen, an die Hälse der deutschen Jugend? Den Rest des Eintrags lesen »

Anschlag auf Olympia

Am Abend des 4. September 1972 — die Dunkelheit war schon hereingebrochen — schraubte sich ein dürres Mädchen über eine 1,92 m hohe Latte und riss im Siegestaumel die Arme nach oben: Sie hatte soeben den Weltrekord im Hochsprung eingestellt und olympisches Gold geholt. Ulrike Meyfahrt war an jenem Tag 16 Jahre alt. Während sie sprang, trafen acht nur wenig ältere Männer — Mitglieder der palästinensischen Organisation „Schwarzer September“ — die letzten Vorbereitungen für den nächsten Morgen, an dem sie in das olympische Dorf eindringen, zwei israelische Sportler ermorden und neun weitere als Geiseln nehmen würden. Den Rest des Eintrags lesen »

Hollywood am Nil

Als Sami Al-Salamuni, ein bekannter Filmkritiker der arabischen Welt, noch ein kleiner Junge war, in den 50er Jahren, ging er am ägyptischen Wochenende, also donnerstagabends oder freitagnachmittags, regelmäßig ins Kino. Sein Vater hatte die Karten vorbestellt und eilte stolz der Familie voraus. Samis Schwestern waren herausgeputzt mit Schleifen und Lackschuhen, die Mutter im eleganten Kostüm und Sami in seinem ersten Anzug. Während der Vorstellung lachte Sami über die vielen Gags, seine Schwestern weinten bei den Liebesszenen, und der ganze Saal sang die Lieder von Umm Kulthum, Mohammed Abdel Wahab und Abdelhalim Hafez mit. Das Kino war für viele Familien ein fester Bestandteil des Lebens. Es einte die arabischen Länder, beeinflusste das arabische Denken und diente zur Bildung und politisierung der Bevölkerung. Das ägyptische Kino habe die arabische Persönlickeit des 20. Jahrhunderts mitgeformt, meint der Filmkritiker Ibrahim Al-Aris. Es setzte sich für die Ausbildung der Jugend — insbesondere auch der Mädchen — und die Akzeptanz der Frauen ein. Den Rest des Eintrags lesen »