Ketten, Knochen, Königsmörder: Was verraten die Zähne Verstorbener? Ist Indiana-Jones-Darsteller Harrison Ford auch im wahren Leben ein Altertumsforscher? Und was ist eigentlich die älteste Stadt Deutschlands? Testen Sie Ihr Wissen im Archäologie-Quiz!
Mathe-Genies in der britischen Wildnis
Tätowierte Wilde, die den Römern in England das Leben schwer machten – so sahen Historiker den Stamm der Pikten. Nun zeigen Ausgrabungen, dass die finsteren Krieger in Wahrheit hochgebildet waren. Sie fertigten kostbare Bücher und kannten die mathematische Formel für den Goldenen Schnitt.
Auf Gefechtsstation erstickt
Warum mussten die acht Mann an Bord der „CSS H. L. Hunley“ sterben? In der Nacht des 17. Februar 1864 hatte das Schiff als erstes U-Boot der Weltgeschichte ein feindliches Schiff versenkt. Danach ging das per Handkurbel angetriebene Boot selbst auf Grund. Erst jetzt, mehr als 140 Jahre nach der Havarie, bringen neue Untersuchungen Licht in die letzten dunklen Momente an Bord: Wahrscheinlich erstickten die Männer am Grund der Bucht von Charleston, so das Fazit der South Carolina Hunley Commission. Dafür sprechen zwei Fakten: Bei der Bergung fand man die Leichen an den Gefechtsstationen – niemand hatte versucht, seinen Platz zu verlassen. Zudem waren die Pumpen, die den Mannschaftsraum trocken halten sollten, nicht eingeschaltet. Diese Umstände sprechen gegen die populäre These, die „Hunley“ sei beim Angriff auf den Feind schwer beschädigt und damit manövrierunfähig geworden. Denn dann hätte die Mannschaft versucht, das sinkende Boot zu verlassen, oder zumindest die Pumpen angestellt. Statt dessen warteten die Männer in dem technisch noch nicht ganz ausgereiften Boot vermutlich einfach nur auf die Flut, die sie ans Ufer bringen sollte. In den zwei Stunden bis zum Auflaufen des Wassers jedoch muss die Crew das Bewusstsein in dem engen Mannschaftsraum verloren haben.
Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 45/2008.
Kopf ab, Knochen gebrochen, Nagel im Schädel
In manchem deutschen Garten liegen steinalte Leichen, unentdeckt und übel zugerichtet: Unter der Grasnarbe verbergen sich Galgenhügel und Henkersplätze aus dem Mittelalter. Bisher wurden sie oft nur durch Zufall entdeckt – doch jetzt machen sich Archäologen auf die Suche.
Friedenspfeife für Designerdroge
In den Vereinigten Staaten gibt es neuerdings eine bizarre Verbindung zwischen der Plünderung archäologischer Städten und dem Konsum der Designerdroge Meth. In ländlichen Gegenden, wo viele Drogenkonsumenten leben, treten auch besonders viele Fälle von Raubgräberei auf. Meth ist teuer – und die Suche etwa nach Friedenspfeifen, Pfeilspitzen und Schmuck in früheren Indianersiedlungen ist eine vergleichsweise ungefährliche Methode, schnell zu Geld zu kommen. Außerdem versetzt Meth seine Konsumenten in eine Art Zwangszustand: ideal, um lange und konzentriert einer monotonen Arbeit nachzugehen – wie dem Wühlen nach archäologischen Schätzen. Zudem sind die Chancen, nach einer illegalen Grabung ungeschoren davonzukommen, weitaus größer als etwa nach dem Überfall auf eine Tankstelle.
Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 43/2008.
Tauchgang zu Hitlers Torpedo-Falle
Vor der US-Ostküste lauerte 1942 eine tödliche Gefahr: Deutsche U-Boote schossen binnen weniger Wochen Hunderte Schiffe auf den Meeresgrund. Jetzt soll das Schlachtfeld zum Unterwassermuseum für Taucher werden – und an ein fast vergessenes Kapitel der Kriegsgeschichte erinnern.
Igelschwein lässt Archäologen rätseln
Erneute Überraschung in Stonehenge: Zum ersten Mal haben Forscher in der Steinzeit-Anlage eine Skulptur gefunden. Es handelt es sich um eine höchst ungewöhnliches Kunstwerk – ein Spielzeugschwein, das auch ein Igel sein könnte. Es wurde zusammen mit einem kleinen Mädchen bestattet.
Stonehenge könnte älter sein als Ägyptens Pyramiden
Forscher revidieren ihre Annahmen über Stonehenge: Der erste Steinkreis wurde offenbar Jahrhunderte früher errichtet als bislang angenommen. Stimmt die Neudatierung – dann waren die Erbauer den Ägyptern und Babyloniern bei Logistik und Architektur weit voraus.
Königliches Toastbrot
Es ist eine Ironie des Schicksals, dass der englische König Richard II. vermutlich auf Geheiß seines Nachfolgers Heinrich IV. im Tower verhungert ist. Zeit seines Lebens erwies sich Richard als Feinschmecker, der sich mit Vorliebe aus dem Forme of Cury bekochen ließ – dem ältesten bekannten Kochbuch in englischer Sprache. Ab dem nächsten Jahr wird die Originalausgabe aus dem Jahr 1390 digitalisiert im Internet zu sehen sein. Die John Ryslands University Library der University of Manchester plant, nach und nach ihren umfangreichen Bestand mittelalterlicher Werke öffentlich zugänglich zu machen. Die betagte Rezeptesammlung dürfte zu den Höhepunkten zählen. Ihr ist zu entnehmen, dass am Hofe Richards gern Pygg in Sawse Sawge – Schwein in Salbeisoße – gereicht wurde. Dafür musste das Küchenpersonal geviertelte Schweine in Salzwasser kochen. Ein Snack wie Toastbrot in Honigwein würde vermutlich auch heutzutage Genießer erfreuen. Das Forme of Cury rät sehr präzise: Nimm Wein und Honig, koche sie sehr lange, und füge Ingwerpulver, Pfeffer und Salz hinzu. Lege Toastbrot hinein, und schmücke das ganze mit geschnitzten Ingwerstückchen.
Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 41/2008.
Wikinger auf Frauenfang
Was war die treibende Kraft hinter den gefürchteten Raubzüger der Wikinger nach England und Irland? Die Frauen, glaubt der Archäologe James Barrett vom McDonald Institute for Archaeological Research der Cambridge University. Oder vielmehr deren Abwesenheit. Die Wikinger, so der Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Antiquity, hätten unter Frauenmangel gelitten. Dieser Zustand sei allerdings selbst verschuldet. In den Íslendinga sögur (Islandsagas) und anderen mittelalterlichen Quellen finden sich immer wieder Hinweise auf Infantizide, Tötungen von Neugeborenen. Besonders Mädchen hatten schlechte Karten. Die Praxis rächte sich später, wenn es darum ging, heiratsfähige Frauen zu finden. Also segelten die jungen Männer los, sich anderweitig ein Weib und die finanziellen Mittel zum Erwerb eines eigenen Hofes zu besorgen. Denn trotz der Fokussierung auf den Krieg waren eine Frau und ein Hof geschätzte Prestigeobjekte in der Gesellschaft der Wikinger, erklärt Barrett dem Spiegel. Die These des Archäologen findet Rückhalt in der archäologischen Fundlage. Die Gräber der Frauen enthalten oft feine Stoffe, Schmuck oder Geschirr, das ihre Männer einst in der Ferne hatten mitgehen lassen als ein letztes Andenken an die Heimat.
Erschienen in Prisma, Spiegel (Printausgabe) 40/2008.